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Studienreise: Galizien - verschwundenes Land? Eine Reise in die europäische Vergangenheit und die Gegenwart des "neuen Europa"

Wer kennt heute noch Galizien ? Wer weiss noch, wo es liegt - oder besser wo es lag ? Denn Galizien gibt es nicht mehr. Es ist von der Landkarte verschwunden. Sein westlicher Teil gehört heute zu Polen, sein östlicher zur Ukraine. Wisent Reisen lädt Sie zu einer grossen Kulturreise durch Geschichte und Gegenwart, beginnend im jüdisch-ukrainisch-polnisch-deutsch besiedelten Ostgalizien mit ihrer grossartigen Hauptstadt Lemberg über die Grenzgebiete bis hin zur königlichen Stadt Krakau ein.

Das Kronland Galizien und Lodomerien war ein Teil des Königreichs Polen, der nach den Teilungen Polens im 18.Jh unter die österreichische Herrschaft kam. Galizien, umwoben von Legenden und Anekdoten, war schon immer ein begehrtes Reiseziel. Es galt als Symbol des friedlichen Nebeneinanders vieler Völker, Kulturen und Konfessionen. Es war ein politischer Mythos einer Harmonie der Völker, die von der obersten Instanz des Kaisers gesichert wurde. Es erschien als faszinierendes Muster der Verflochtenheit der westlichen Zivilisation und der „wilden Natur" des Ostens. Heutzutage wird Galizien nach Jahren der Isolierung hinter dem "eisernen Vorhang" wieder entdeckt.

Wir werden die wichtigsten Zentren Galiziens: Lemberg und Krakau besichtigen, deren Altstädte sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes befinden.  Beide Städte sind architektonische Kleinoden, bis heute sieht man ihnen an, dass sie Schmelztiegel der Kulturen waren. Zwischen Lemberg und Krakau fahren wir durch verschlafene Dörfer, besichtigen prächtige Magnatenresidenzen, besuchen eine „Idealstadt“, die man aus nichts baute und eine Stadt, die man in eine Festung verwandelte. Wir lassen uns durch das Zentrum der europäischen Erdölindustrie des 19. Jhs. führen. Die Orte, Landschaften, historische Ereignisse versuchen wir auf der Reise durch die Begegnungen mit den Menschen, durch Geschichten in einen Zusammenhang zu bringen. Dabei soll es nicht an der Zeit fehlen, die Orte auf sich einfach wirken zu lassen, durch die Gegend zu flanieren und die Spezialitäten der örtlichen Küche zu kosten. Wir möchten, dass Sie diese Reise mit allen Sinnen genießen.

Satellitenaufnahme Welkulturerbe Krakau

Programm 2009

1. Tag Samstag
Zürich - Warschau u. Besichtigung
Den ersten Tag unserer Reise verbringen wir in Warschau: die Stadt hat zwar mit Galizien nichts zu tun, denn sie nach der Teilung Polens unter den russischen Einfluss kam. Sie gewährt Ihnen aber einen Einblick in einen völlig anderen, auch einer Reise werten Teil von Polen. Im 16. Jh. wurde die Hauptstadt von Krakau nach Warschau. Warschau lebt in der Geschichte und mit ihren Gespenstern, trägt immer noch Zeichen des realen Sozialismus, aber gleichzeitig gehört sie zu den dynamischsten und kulturell spannendsten Städten Ost-Mitteleuropas. Wir versuchen Ihnen einige Gesichter dieser Stadt zu präsentieren. Die Warschauer Altstadt wurde zwar im II Weltkrieg völlig zerstört, aber ab 1946 bis 1953 nach den Bildern von einem venezianischen Maler Bernardo Bellotto (Künstlername: Canalletto) in einer als Meisterleistung gewürdigten historischen Rekonstruktion wieder aufgebaut und dafür als Weltkulturerbe der UNESCO ausgezeichnet. Die Aufbauarbeiten stellen bis heute weltweit die größte geplante Rekonstruktion einer Bebauung dar. In der Gegend um den Kulturpalast kann man wiederum gut sehen, wie das Symbol der kommunistischen Macht nach der Wende in die Stadt integriert wurde und seine bedrohliche Ausstrahlung verlor. Viele Plätze zwischen der Altstadt und dem Kulturpalast sind gegenwärtig Orte der künstlerischen Aktionen, die im Dialog mit der Vergangenheit stehen und den öffentlichen Raum zu verwandeln versuchen. Übernachtung in Warschau.

2. Tag Sonntag
Warschau - Lemberg / Lviv
Erster kurzer Spaziergang durch eine der schönsten Hauptstrassen in Lviv, an der auch unser Hotel liegt. Leopolis, Lemberg, Lwów, Lviv – in dieser Stadt lebten Menschen verschiedenster Kulturen und Ethnien über Jahrhunderte hinweg meist friedlich zusammen, die Spuren ihrer Anwesenheit lassen sich überall in Lemberg entdecken. Am Abend treffen wir Jurij Durkot, einen Journalist und Dolmetscher. Als Journalist berichtet er u.a. für deutschsprachige Zeitungen (u.a. FAZ) und Radiosender. In seiner Funktion als Dolmetscher arbeitet Juri Durkot u.a. für den Deutschen Bundestag und Bundesministerien. Jurij Durkot wird uns die heutige Ukraine näher bringen.

3. / 4. Tag Montag-Dienstag
Lemberg entdecken mit Persönlichkeiten der Stadt
Heute treffen wir Jurko Prochasko, der uns die nächsten drei Tage begleitet. Er ist Autor, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Als Essayist und Publizist schreibt er u.a. für DIE ZEIT. Er unterrichtet im Institut für Literaturforschung der Akademie der Wissenschaften. Jurko Prochasko führte ein Seminar „Lviv zu Fuss“, lebt in dieser Stadt seit Jahren – man kann sich schwer eine bessere Begleitung auf unserer Entdeckungsreise durch Lviv-Lemberg-Lwow vorstellen. Der erste Tag ist der ältesten Architektur Lembergs gewidmet: wir gehen in die Gründungszeit zurück, besichtigen das Stadtviertel am Fuß des Schlossberges mit mittelalterlichen Kirchen, entdecken den deutschen, jüdischen, armenischen und russischen Stadtteil. Wir besichtigen eins der wertvollsten Baudenkmäler der Renaissance, die Boim-Kapelle, sehen die Werke eines der berühmtesten europäischen Rokokokünstlers, Johann Georg Pinsel. Mit der Andreolli Passage am Marktplatz haben wir auch einen Schweizer Akzent- Dominik Andreolli war ein Schweizer, der Anfang des 19. Jh. die erste Lemberger Konditorei gegründet hat. Sein Haus gehört zu den vielen schönen Häuser in der Altstadt, die wir uns anschauen.

Am zweiten Tag geht es zu dem in Grün eingebetteten Lytschakowskyj Friedhof, der für Lemberg eine ebensolche Bedeutung hat, wie der Zentralfriedhof für Wien. Wir besichtigen auch das Universitätsgebäude und das Haus der Gelehrten, das im 19.Jh. als Herrenkasino entworfen wurde und dessen unruhige und effektvolle Architektur bis heute beeindruckt. Wir erfahren einiges über Lemberg als Wissenschafts- und Kulturzentrum und erkunden das Lemberg der Habsburger-Zeit. Wir flanieren durch die Strassen, an denen Joseph Roth und Stanislaw Lem gelebt haben und werden in die komplizierte konfessionelle Geschichte Lembergs eingeführt. An einem Abend treffen wir zusammen mit Jurko Prochasko die Schriftstellerin und Journalistin, Natalka Sniadanko. Gemeinsam werden sie über Lemberg, die junge ukrainische Generation und deren Literatur in der Ukraine sprechen und stehen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung. Ebenfalls besuchen wir die Lemberger Oper, welche als eine der schönsten Europas gilt.

5. Tag Mittwoch
Ausflug nach Zovkva und freie Zeit in Lemberg / Lviv
Die heutige halbtägige Tour führt nach Zovkva (polnisch: Zolkiew) und Krechiv. Das kleine, verschlafene Zovkva wurde im 16. Jh als eine „ideale Renessaince-Stadt“ des polnischen Magnaten Stanislaw Zólkiewski gegründet. Die bedeutende jiddischsprachige Schriftstellerin Salcia Landmann (1911-2002), die in St. Gallen gestorben ist, war hier zu Hause. Hier ging zur Schule Zygmunt Haupt, der spät entdeckte polnische Autor, Zeitgenosse von Bruno Schultz.
Nach der Besichtigung der Stadt fahren wir nach Krechiv. Bekannt ist der Ort vor allem wegen des schön gelegenen, ursprünglich als Einsiedler-Höhlenkloster gegründeten Vasiliusklosters des heiligen Nikolai. Nach dem Krieg entstand hier ein psychiatrisches Krankenhaus, seit einigen Jahren wird es wieder als Kloster benutzt. Die hügelige Landschaft mit Buchenwäldern lädt zu einer Wanderung ein. Den Nachmittag können Sie individuell in Lemberg gestalten.


6. Tag Donnerstag
Lemberg bis Ivano Frankivsk
Heute verlassen wir Lemberg und fahren nach Ivano Frankivsk / Stanislau. Unterwegs Halt in Rohatyn (76 km), in der Stadt, aus der die Lieblingsgemahlin des osmanischen Sultans Süleyman I. stammte, des mächtigsten und von den christlichen Herrschern am meisten gefürchteten Mannes des 16. Jhs. Wir besichtigen ebenfalls Krilos - den Ort, in dem man die Anfänge der ukrainischen Staatlichkeit sieht.
Am Nachmittag treffen wir in Iwano-Frankivsk ein. Die ostgalizische Stadt Ivano-Frankivsk liegt in einer der kulturell vielfältigsten Regionen Europas, am Fuß der Karpaten. Viele Nachbarmächte wollten gerne über dieses Gebiet herrschen. Hier konnten Dörfler Kosmopoliten werden, ohne je das Haus verlassen zu haben, so oft mussten sie wegen Grenzenverschiebungen ihre Staatsangehörigkeit wechseln. Mehr als dreißig Völker mischten sich in der Region. Heute besinnt man sich wieder auf das reiche kulturelle Erbe, das die gegenwärtige Literaturszene in verschiedenen Intonationen aufgreift. Ivano-Frankivsk ist in der Ukraine aufgrund seiner lebendigen jungen Kulturszene bekannt, manche sprechen von einem „Stanislauer Phänomen“ in der ukrainischen Literatur, der bedeutende Romancier und Essayist Jurij Andruchowytsch lebt hier.
Am Abend treffen wir Halyna Petrosanjak, Lyrikerin, die »Dichterin der Karpaten-Exotik« genannt wird. Halyna Petrosanjak erzählt uns von Stanislauer Phänomen, vom ukrainischen Alltag und liest aus ihren Gedichten.

7. Tag Freitag
Besichtigung von Stanislau mit Halyna Petrosanjak
Heute führt uns Halyna Petrosanjak durch ihre Stadt und erklärt deren dreifache Identität, die in den drei Namen der Stadt Ausdruck findet: Stanislawów – Stanislau – Iwano-Frankiwsk. Wir begeben uns mit Halyna Petrosanjak auf die Wanderung durch die Geschichte der Stadt, ohne die Gegenwart aus den Augen zu verlieren: auch die „orangene Revolution“ hat hier ihre Spuren hinterlassen.
Nach dem Mittagessen fahren wir ins „galizische Pennsylvanien“, wo man im 19. Jh. reiche Ölquellen und Erdwachsgruben entdeckt hat. Anfang des 20. Jhs. stammten ca. 5% der weltweiten Erdölförderung aus dieser Region. Die galizischen Kleinstädte am Rande des Habsburgerreichs blühten auf, und mit ihnen taten es die Kultur und die Menschen. In die Geschichte der Erdölindustrie dieser Region, die nicht nur glückliche Entwicklungen mitbrachte - Boryslau bekam einen Beinamen „Galizische Hölle“- wird uns Dr. Myron Zeitler einführen, der an der Ivan-Franko-Universität in Drohobytsch unterrichtet und ein Kenner dieser Problematik ist.

8. Tag Samstag
Drohobytsch und Andenken an Bruno Schultz
Drohobytsch ist berühmt nicht nur wegen der Ölfelder, sondern hat eine spannende literarische Tradition. Einer der bekanntesten ukrainischen Schriftsteller und politischen Denker, Ivan Franko (1856-1916) kam in einem nahe gelegenen Dorf zur Welt und besuchte die Schule in Drohobytsch. Der polnisch-jüdische Zeichner und Schriftsteller, Bruno Schultz (1892-1942) verbrachte hier sein Leben. Nach dem Einmarsch der Deutschen musste er für den Drohobytscher Gestapochef Felix Landau als „Leibjude“ arbeiten und die Wände des Kinderzimmers in seiner Villa mit Märchenmotiven bemalen. Am 19. November 1942 wurde er in Drohobytsch erschossen. Die Welt hat wieder von Schultz gehört, als 2001 eine Sensation durch die internationalen Medien ging: Der Filmemacher Benjamin Geissler hat die Wandmalereien im ehemaligen Kinderzimmer der Landau-Villa gefunden. Drei Monate später entführten Mitarbeiter der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Teile der Fresken nach Israel, was eine lange Auseinandersetzug über Recht und Unrecht dieser Tat auslöste.
Viera Meniok, ukrainische Literaturwissenschaftlerin, die ein Bruno Schultz Museum zu errichten versucht und seit einigen Jahren ein Bruno-Schultz-Festival organisiert, führt uns durch die Stadt und deren galizische Geschichte.
Nach dem Mittagessen besichtigen wir noch eine wunderschöne Holzkirche - ein markantes Beispiel der galizischen Renaissancearchitektur. Nach der Besichtigung fahren wir über Dubljany, eines der ehemals deutschen Dörfer dieser Region Richtung polnische Grenze. Wir übernachten im Schloss Krasiczyn, das zu den spannendsten Objekten der Renaissance- und manieristischen Architektur der Region zählt. Zum Verweilen verführt die riesige Parkanlage. Im 19. Jh. hat man dort die Sitte eingeführt, eine Eiche zu pflanzen, wenn ein Sohn geboren wurde und eine Linde, wenn eine Tochter zur Welt kam. Diese herrlichen, ehrwürdigen Bäume erinnern bis heute an die Familie Sapieha.

9. Tag Sonntag
Festungsstadt Przemysl und Schlossanlage in Lancut
Przemysl ist die gut eineinhalb Jahrhunderte ältere «Schwesterstadt» von Lemberg: die beiden Städte gehören eigentlich zu ein und derselben Kulturlandschaft, waren durch die vielfältigsten administrativen Zusammenhänge verkoppelt. Wir lassen uns einen Bummel durch die reizvolle Altstadt mit ihren sich auf- und abschwingenden Straßen nicht entgehen. Przemysl ist jedoch auch auch eine Stadt, die von den beiden Weltkriegen geprägt wurde. In den letzten Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg wurde die ganze Stadt zu einer Festung gegen die sich entwickelnde Bedrohung durch das russische Reich ausgebaut. Die Festung Przemysl war nach Antwerpen und Verdun die drittgrößte Anlage in Europa und eine Glanzleistung der Fortifikationskunst aus der Wende des 19. Jh. zum 20. Jh. Eins der vielen Forts, Salis-Soglio, trägt den Namen eines Schweizer Ingenieurs und Generals, der 1871 - 1875 den Bau der Fortifikationen der Festung im Dienst des österreichischen Keisers leitete. Wir besichtigen die Festung mit Zbigniew Zablocki, der auf der Suche nach dem Grab seines im I Weltrieg gefallenen Verwandten, eine Leidenschaft für die Festung entwickelte. Auch der 2. Weltkrieg ist hier präsent: nach dem Stalin-Hitler-Pakt verlief die Grenze zwischen Deutschland und der Sowjetunion mitten durch die Stadt, dem Fluss San entlang.
Die weitere Reise führt nach Lancut: dort steht eins der prächtigsten Schlösser ganz Polens, am alten Handelsweg Kraków-Przemysl. Die barocken Prunkgemächer, der Ballsaal und andere historische Interieurs bestechen durch verspielte Leichtigkeit. Hier blühte das Musik- und Theaterleben, hierher kamen regelmäßig bedeutende Gäste. Der letzte Besitzer war ab 1915 Alfred III Potocki. 1944 vor dem Einmarsch der Roten Armee musste Potocki Lancut verlassen und emigrierte in die Schweiz, wo er 1958 in Genf starb. Wir werden die ganze Schloss-Anlage besichtigen, einschließlich der einmaligen, riesigen Kutschen- und Ikonensammlung. Lancut war auch eines der lokalen Zentren des Hasidismus und aktives Zentrum des Zionismus. Zu den bedeutendsten Erinnerungsstücken der jüdischen Vergangenheit gehört die Synagoge aus dem 18. Jahrhundert- eine der schönsten Polens - die auch auf unserem Programm steht. Übernachtung in Rzeszow.

10. Tag Montag
Das multikulturelle Tarnow.
Am Morgen spazieren wir durch Rzeszow, eine mehrmals zerstörte, aber schön renovierte und sich nach der Wende dynamisch entwickelnde Stadt. Weitere Fahrt nach Tarnów, die als eine private Stadt entstand, deren Entwicklung durch deutsche, jüdische und schottische Siedler vorangetrieben wurde. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war Tarnów eine bedeutende Handelsstadt und ein wichtiger Bildungsstandort im damaligen österreichischen Kronland Galizien. Nach einem Spaziergang durch die stimmungsvolle Altstadt, in der mittelalterliche Straßen, Gotik- und Renaissancebauten und Fragmente der Festigungsmauer erhalten blieben, besichtigen wir noch das Ethnographische Museum mit einer Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Roma. Tarnow ist nämlich bekannt durch das jedes Jahr im Juni hier stattfindende Fest der Zigeuner, bei dem sich Tausende Sinti und Roma aus ganz Polen treffen. Am Abend kommen wir in Krakau an.

11. Tag Dienstag
Königsstadt Krakau
Heute führt uns Leszek Krudysz, der Archäologe, Reiseleiter und Krakauer durch das älteste Krakau. Wir sehen mittelalterliche Mauer, bewundern den grössten mittelalterlichen Marktplatz Europas mit seinen Tuchhallen, wandern auf dem Königsweg zum Wawelschloß, das Weltkulturerbe der UNESCO ist und mit dem die Kultur und Kunst des Polenstaates eng verbunden sind. Von Kriegsschäden weitgehend verschont, ist das Bauwerk bis heute ein Zeitzeuge der Pracht vergangener Tage, mit den Baustilen aus vier verschiedenen Epochen: aus der Romanik, der Gotik, der Renaissance sowie des Barock. Um 12:00 wohnen wir einem speziellen Ereignis bei: um diese Zeit wird in der Marienkirche auf dem Marktplatz der Veit Stoß-Altar langsam und feierlich geöffnet. Es ist das erste gesicherte Werk des berühmten Bildhauers Veit Stoß und der größte spätgotische Schnitzaltar. Wir besichtigen auch die Jagiellonen Universität, die älteste polnische und nach der Karls-Universität Prag die zweitälteste Universität in Mitteleuropa, an der Nikolaus Copernikus studierte. Sie ist heute mit ca. 40.000 Studenten die zweitgrößte in Polen und Mitglied der 1985 gegründeten Coimbra-Gruppe, eines Netzwerks führender europäischer Universitäten mit langjähriger Tradition wie Oxford und Cambridge. Am Abend Treffen mit Agnieszka Sabor , Polonistin und Kunshistorikerin, Redaktorin der bekannten polnischen Zeitschrift "Tygodnik Powszechny". Sie beschäftigt sich u.a. mit den jüdischen Themen (ist Autorin Buches "Schtetl. Auf den Spuren der jüdischen Städtchen") und mit der Kunstrezeption in der kommunistischen und nationalsozialistischen Propaganda.

12. Tag Mittwoch
Königsstadt Krakau
Am Morgen gönnen wir uns freie Zeit für einen individuellen Bummel durch die Altstadt von Krakau. Nachmittags besichtigen wir den Stadtteil Nowa Huta, wo man besonders gut die stürmische Geschichte vom Stalinismus bis zur Entstehung der Gewerkschaft Solidarnosc verfolgen kann. Nowa Huta ist ein moderner, mit einer Eisenhütte verbundener Industriestadtteil Krakaus aus den 50-er Jahren. Nowa Huta war als perfekte Stadt geplant, die die sozialistische Utopie erfüllen und in direkte Konkurrenz zum konservativen Krakau treten sollte: Das Lieblingskind des Systems wurde jedoch zur Bedrohung. In den stürmischen 80-er Jahren stellte sich heraus, dass durch die breiten Alleen nicht nur Umzüge zum Ersten Mai, sondern auch oppositionelle Demonstrationen marschieren können. Heute wird Nowa Huta langsam zu einem Zentrum der modernen Kunst und Architektur. Konzerte in den stillgelegten Hallen der Stahlhütte im Rahmen des Festivals "Sacrum - Profanum", die Schaffung von ökologisch wertvollen Gebieten, das Ausweisen von Radwegen oder die Gründung einer Filiale in Nowa Huta durch das Historische Museum der Stadt Krakau sind erst der Anfang, diesen Stadtteil für Touristen zu erschließen. Wir gehen der Geschichte und der Gegenwart dieses Stadtteils nach.

13. Tag Donnerstag
Salzbergwerk Wieliczka, UNESCO Weltkulturerbe
Am Vormittag wandern wir duch das literarische Krakau. Diese Stadt haben Stanislaw Lem, und die Nobelpreisträger Wislawa Szymborska und Czeslaw Milosz als ihr Zuhause gewählt. Wir besuchen die in der früheren und gegenwärtigen Litearturszene berühmten Cafes und versuchen dem Krakauer Kulturphänomen auf die Spur zu kommen.

Am Nachmittag fahren wir nach Wieliczka. Das historische Salzbergwerk in Wieliczka ist weltweit das einzige Bergwerk, das seit dem Mittelalter bis heute ununterbrochen in Betrieb ist. Die originellen Fördertechniken (Korridore, Förderschächte, Kammern, Salzseen, Stollen, Schurfschächte) mit einer Gesamtlänge von ca. 300 km auf 9 Sohlen, reichen in eine Tiefe von 327 m und illustrieren sämtliche Enwicklungsetappen der bergmännischen Technik in den einzelnen historischen Epochen." So lautet ein Auszug der Begründung für den Eintrag des Salzbergwerks Wieliczka am 8. September 1978 auf die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO. Wir besichtigen heute diese unterirrdische Welt, die früher Zar Alexander I., Kaiser Franz I., Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin, Dimitrij Mendelejew besuchten. Zu den besonderen Touristenattraktion gehört die Kapelle der hl. Kinga (Kunigunde), deren Wänden brillante Reliefs mit biblischen Darstellungen schmucken, handgearbeitet von Bergmänner-Bildhauern. Wieliczka ist bekannt auch als Sanatorium, denn das in den unterirdischen Abbauräumen vorherrschende spezifische Mikroklima begünstigt die Heilung von Bronchialasthma, Bronchitis und Allergie-Schnupfen.

Krakau ist auch berühmt für seine hervorragenden Musikensemble. Wir werden am Abend ein Konzert besuchen.

14. Tag Freitag
Kazimierz
Die Stadt Kazimierz wurde 1335 von König Kasimir den Großen (Kazimierz Wielki) gegründet und nach seinem Vornamen Kazimierz benannt. Die Stadt erhielt Wehranlagen und drei Kirchen, von denen die berühmteste die barocke Klosterkirche Skalka ist, welche an Stelle eines alten heidnischen Heiligtums gebaut wurde und die zur Station der Pilgerzüge vor der Königskrönung wurde. In der Krypta ist 1880 ein Pantheon für hervorragende Polen eingerichtet worden. Kazimierz war jedoch vor allen die jüdische Stadt. Als 1495 den Juden verboten wurde, im Stadtgebiet von Krakau zu wohnen, entstand gerade hier ein jüdisches Stadtviertel, das durch Juden regiert wurde, nur und alleine dem König untertan war und über eine eigene Selbstverwaltung verfügte. Jahrhunderte lang blieb Kazimierz eine Stadt für sich und wurde erst gegen Ende des 18. Jh. an Krakau angeschlossen. Wir erkunden heute das christliche und das jüdische Kazimierz, besichtigen die alten Synagogen und den alten jüdischen Friedhof.  Wir genießen gemütliche kleine Cafés, Galerien und Antiquitätenläden, die gepflasterten Gassen, das bezaubernd Provinzlerische des Viertels, das seit einigen Jahren Lieblingsort der Künstler ist. Der mit zahlreichen Oskars ausgezeichnete Film "Schindlers Liste" von Steven Spielberg, der von den Schicksalen der Krakauer Juden im 2. Weltkrieg handelt, hat diesen Ort weltbekannt gemacht. Ein halbes Jahr lang wurden die Straßen von Kazimierz zur Filmkulisse.

15. Tag Samstag
Krakau - Warschau - Zürich

Unsere Leistungen

  • 4 Linienflüge Zürich - Warschau - Lemberg, Krakau - Warschau - Zürich
  • Alle Bustransfers in der Ukraine und in Polen
  • 14 Übernachtungen in Drei- u. Viersternhotels, Basis DZ
  • 14 x Abendessen in ausgesuchten Restaurants
  • 4 x Mittagessen in guten Restaurants
  • 2 x Picknick im Freien
  • qualifizierte Wisent Reiseleitung
  • Exkursionen u. Besichtigungen mit Fachleuten gem. Programm
  • Lesungen u. Treffen mit Journalisten, Wissenschaftlern u. Schrifttellern
  • Konzerte in Lemberg und Krakau
  • Besichtigung des Salzbergwerkes in Wieliczka
  • div. Stadtbesichtigungen mit Eintritten
  • Ausführliche Dokumentation

Highlight dieser Reise

Sie besichtigen vier Orte welche als UNSECO-Weltkulturerbe gelten

Treffen mit Persönlichkeiten des kulturellen und politischen Lebens in der Ukraine und in Polen

Reisedatum 2009

vorgesehene Reiseleitung
18.07. - 01.08. Judith Schifferle*, Kulturwissenschaftlerin

* Judith Schifferle: lic. phil I

Preise und Leistungen

Preis pro Person: CHF Euro
Studienreise Polen 15 Tage: 3890.00 2430.00
Zuschlag Einzelzimmer: 320.00 200.00
Gruppengrösse: 8 - 14 Gäste
Buchungsstand: freie Plätze
Anmeldeschluss: 30. Mai 09
Anmeldeformular zum ausdrucken (PDF)
(Preisänderung und Irrtum vorbehalten)

Im Preis nicht inbegriffen:

  • 2 x individuelles Mittagessen in Lemberg, bzw. Krakau
  • Getränke und Trinkgelder
  • obl. Annulierungs- und Rückreisekostenversicherung

Literatur u. weiterführende Links


Natalka Sniadanko, Deutschlandreise im Auftrag von "DU":

http://www.eurozine.com/articles/2006-06-19-sniadanko-de.html

Informationen über gegenwärtige ukrainische Autoren mit Leseproben:

http://www.zug76.de/cms/index.php?id=4

Uber polnisch-ukrainische Beziehunge

http://www.buero-kopernikus.org/de/article/31/4/

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Ukrainische_Geschichte

Bücher:

Pollack, Martin: Nach Galizien. Von Chassiden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Eine imaginäre Reise durch die verschwundene WeltOstgaliziens und der Bukowina, Fischer S. Verlag 1991

Leopold von Sacher-Masoch, Don Juan von Kolomea. Galizische Geschichten, Belleville 1985

Joseph Roth, Juden auf Wanderschaft. Reise durch Galizien. dtv 2006

Bruno Schultz, Die Zimtläden, dtv 2004,

Zygmunt Haupt, Ein Ring aus Papier, Suhrkamp 2003

Jozef Wittlin, Mein Lemberg, · Suhrkamp 1994

Stanislaw Lem, Das hohe Schloss· Suhrkamp; Auflage: 2 (Mai 1990)

Salcia Landmann, Erinnerungen aus Galizien, · Droemer Knaur 1986

Soma Morgenstern: In einer anderen Zeit. Jugenjahre in Galizien, Aufbau 1999
alka Sniadanko, Sammlung der Leidenschaften, dtv 2007

Jurij Andruchowytsch, Das letzte Territorium · Suhrkamp 2003

Jurij Andruchowytsch/Andrzej Stasiuk , Mein Europa · Suhrkamp 2004

Andrzej Stasiuk, Galizische Geschichten

Marta Kijowska: Krakau. Spaziergang durch eine Dichterstadt. München: dtv, 2005


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Literatur zur Reise

Theater voller Leben und Wunder

Die Wand darf nicht trennen

Ukrainische Mythologie

Sehnsucht nach dem Roman

Juri Andruchowytsch

Die Angst vor dem grossen Bruder

Natalka Sniadanko: Deutschlandreise

Wir wussten, die Euphorie wird sehr kurz sein

Galizien ist anders

Jurko Prochasko über Galizien

Nach Galizien mit Martin Pollack

Wo Mythen aufeinander stossen

Bruno Schulz





alte Karte Galizien:




Lage Galizien:



Detailkarte:


























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Lemberg, UNESCO - Weltkulturerbe
Lemberg, wunderbare Altstadt
Lemberg, unser gemütliches Hotel
Krechiv, Klosteranlage
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Wunderschöne Holzkirche in Drohobytsch
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Kasia Leszczynska, Jurko Prohasko in Zovkva
Der Löwe von Lemberg
Schriftstellerin, Journalistin; Natalka Sniadanko
Marktplatz u. Rathaus von Tarnow

Die Bank der Dichter in Tarnow

Märchenschloss Krasiczyn

gewaltige Schlossanlage in Lancut

Synagoge in Lancut
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spannendes Restaurant von Wisent Reisen; Krakau

Florenz ? - nein Krakau !

Synagoge in Lancut

Krakau; Kathedarale mit goldener Kuppel im Königsschloss

Krakau, gemütliche Strassencafés

Krakau; Europas grösster Marktplatz mit Tuchhallen, UNESCO - Weltkulturerbe

Bergwerk Wieliczka; UNESCO - Weltkulturerbe

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typische Magnatenresidenz Galiziens

Programm © Wisent Reisen 2008